NeuroRecovery & Schmerztherapie

Gleichgewichtsstörungen und Sturzprävention nach Schlaganfall

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Engin Çakar, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Algologie (Schmerzmedizin) und Elektrodiagnostische Neurologie · Aktualisiert am

Stürze gehören zu den häufigsten Komplikationen nach einem Schlaganfall, sowohl im Krankenhaus als auch nach der Rückkehr nach Hause [1]. Sie können Knochenbrüche, Verlust des Selbstvertrauens und Angst vor Bewegung verursachen, was die Rehabilitation verlangsamt.

Warum ist das Gleichgewicht gestört?

  • Schwäche und Spastik eines Beins
  • Verlust von Sensibilität und Lagesinn
  • Gesichtsfeldausfall und Neglect einer Seite
  • Aufmerksamkeitsstörungen und Impulsivität
  • Medikamente, die Müdigkeit oder niedrigen Blutdruck verursachen

Weiterlesen: der Ratgeber „Schlaganfall“ sowie die Artikel Rehabilitation nach Schlaganfall: ischämischer und hämorrhagischer Schlaganfall und Spastik nach Schlaganfall: Ursachen und Behandlung.

Stürzen vorbeugen

Die Evidenz für spezielle Sturzpräventionsprogramme nach Schlaganfall ist noch begrenzt; eine individuelle Beurteilung ist wichtig [2]. Praktische Maßnahmen:

  • Gleichgewichts- und Gangtraining mit Physiotherapie
  • Geeignete Gehhilfen und Schuhe
  • Eine Unterschenkel-Fuß-Orthese bei Fußheberschwäche; in unserer Studie bei Patienten mit chronischer spastischer Hemiparese verbesserte sie das Gleichgewicht und verringerte das Sturzrisiko [3]
  • Die Wohnung sicher machen: lose Teppiche entfernen, Haltegriffe anbringen, Beleuchtung verbessern
  • Medikamente überprüfen und Sehvermögen kontrollieren

Wie häufig sind Stürze?

Stürze gehören zu den häufigsten Komplikationen nach einem Schlaganfall, sowohl im Krankenhaus als auch nach der Rückkehr nach Hause. Schwäche eines Beins, vermindertes Gefühl im Fuß, Spastik (Muskelsteifigkeit), Gesichtsfeldausfall, Neglect (Nichtbeachten einer Seite), Schwindel, bestimmte Medikamente und Sturzangst erhöhen das Risiko. Viele Stürze passieren beim Aufstehen, Drehen, nächtlichen Gang zur Toilette oder beim Versuch, sich ohne Hilfe zu bewegen.

Wie das Gleichgewicht beurteilt wird

Die PRM-Ärztin oder der PRM-Arzt und das Team untersuchen Kraft, Gefühl, Muskeltonus, Sehen, Aufmerksamkeit und den Blutdruck beim Aufstehen. Standardisierte Gleichgewichts- und Gehtests (zum Beispiel die Zeit messen, um aufzustehen, einige Meter zu gehen und sich wieder zu setzen) helfen, das Sturzrisiko einzuschätzen und den Fortschritt zu verfolgen. Medikamente, die Müdigkeit oder niedrigen Blutdruck verursachen können, werden überprüft, und die häusliche Situation wird besprochen.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

  • Gleichgewichtstraining: Stehen, Gewichtsverlagerung, Schritte und Drehungen mit zunehmender Schwierigkeit üben
  • Kraft- und Gehtraining, auch auf unterschiedlichen Untergründen und auf Treppen
  • Behandlung von Spastik und Fußheberschwäche (Schwierigkeit, den Vorfuß anzuheben), zum Beispiel mit Dehnung, einer Unterschenkel-Fuß-Orthese (leichte Schiene) oder Elektrostimulation
  • Gehhilfen, individuell ausgewählt und angepasst
  • Robotergestütztes oder laufbandbasiertes Gangtraining bei ausgewählten Patienten, ergänzend zur konventionellen Therapie

Sicherheit zu Hause: Was Angehörige tun können

  • Lose Teppiche, Kabel und Unordnung entfernen; Wege frei halten
  • Nachtlichter zwischen Schlafzimmer und Bad anbringen
  • Haltegriffe im Bad und neben der Toilette montieren; Duschstuhl und rutschfeste Matten verwenden
  • Stabile, geschlossene Schuhe mit rutschfester Sohle wählen
  • Den Patienten ermutigen, langsam aufzustehen und vor dem Gehen kurz sitzen zu bleiben
  • Mit dem Team lernen, wie man jemandem nach einem Sturz sicher aufhilft

Wann Sie Ihre Fachärztin oder Ihren Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin aufsuchen sollten

Nach der akuten Krankenhausbehandlung wird der gesamte Rehabilitationsprozess am besten von einer Ärztin oder einem Arzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin (PRM) geleitet und begleitet. Auch zu Hause lohnt sich die Beratung durch eine PRM-Fachärztin oder einen PRM-Facharzt, die den Patienten untersuchen, Ziele festlegen und Therapie sowie unterstützende Behandlungen gemeinsam mit der Physiotherapeutin oder dem Physiotherapeuten und dem gesamten Team steuern. Bitten Sie um eine erneute Beurteilung, wenn:

  • sich die Funktion verschlechtert statt verbessert oder die Fortschritte seit mehreren Wochen stagnieren
  • neue Schmerzen, Steifigkeit, Schwellungen oder Stürze auftreten
  • sich Stimmung, Schlaf, Schlucken oder Blasenkontrolle verändern
  • Sie sich fragen, ob eine robotergestützte oder andere fortgeschrittene Therapie infrage kommt

Ob robotergestützte oder andere fortgeschrittene Therapien geeignet sind, entscheidet eine auf Neurorehabilitation ausgerichtete PRM-Fachärztin bzw. ein entsprechender PRM-Facharzt. Prof. Dr. Engin Çakar arbeitet in diesem Bereich und kann online oder persönlich konsultiert werden; andernfalls wenden Sie sich an eine PRM-Fachärztin oder einen PRM-Facharzt in Ihrer Nähe.

Rufen Sie sofort den Notruf bei plötzlich neuer Schwäche, hängendem Mundwinkel, Sprechstörung, sehr starken Kopfschmerzen oder Bewusstlosigkeit: Dies können Zeichen eines neuen Schlaganfalls sein.

Häufige Fragen

Soll ein gestürzter Patient aufhören zu gehen? Nein. Inaktivität schwächt die Muskeln und erhöht das Risiko. Ziel ist sicheres, begleitetes Üben.

Wann ist eine Gehhilfe nötig? Das wird nach einer Untersuchung entschieden. Siehe Wann kann ein Schlaganfallpatient wieder gehen?

Spielt Sturzangst eine Rolle? Ja. Angst kann dazu führen, Aktivität zu meiden, was die Muskeln schwächt und das Sturzrisiko erhöht. Schrittweises, begleitetes Üben hilft meist, Vertrauen zurückzugewinnen.

Sollte jeder Sturz gemeldet werden? Ja. Auch ein Sturz ohne Verletzung ist ein Grund, Gleichgewicht, Medikamente und Wohnumfeld mit der PRM-Fachärztin oder dem PRM-Facharzt zu überprüfen.

Beurteilung und Kontakt

Sie können einen Termin oder eine Zweitmeinung zu vorhandenen Befunden und Bildern anfragen: Kontakt & Zweitmeinung (WhatsApp). Diese Seite enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Diagnose und Therapieentscheidungen erfolgen individuell nach einer Untersuchung.

Quellen

  1. Batchelor FA, et al. Falls after stroke. Int J Stroke. 2012. PMID: 22494388
  2. Denissen S, et al. Interventions for preventing falls in people after stroke. Cochrane Database Syst Rev. 2019. PMID: 31573069
  3. Cakar E, et al. The ankle-foot orthosis improves balance and reduces fall risk of chronic spastic hemiparetic patients. Eur J Phys Rehabil Med. 2010. PMID: 20927002