NeuroRecovery & Schmerztherapie

Ischämischer Schlaganfall: Behandlung, Rehabilitation und Erholung

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Engin Çakar, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Algologie (Schmerzmedizin) und Elektrodiagnostische Neurologie · Aktualisiert am

Der ischämische Schlaganfall ist mit etwa 85 % der Fälle die mit Abstand häufigste Schlaganfallform. Er entsteht, wenn eine Hirnarterie verschlossen wird, meist durch ein Gerinnsel aus dem Herzen oder aus einer verengten, verkalkten Arterie, oder durch eine Erkrankung kleiner Gefäße tief im Gehirn. Dieser Artikel gehört zu unserem Hauptleitfaden Rehabilitation nach Schlaganfall.

Notfallbehandlung: Jede Minute zählt

Bei geeigneten Patienten können die intravenöse Thrombolyse und die mechanische Entfernung des Gerinnsels (Thrombektomie) die Durchblutung wiederherstellen. Ihr Nutzen hängt stark von der Zeit ab: Je früher behandelt wird, desto größer die Chance auf ein gutes Ergebnis [2, 3]. Die Entscheidung trifft das Schlaganfallteam nach aktuellen Leitlinien [1].

Weiterlesen: der Ratgeber „Schlaganfall“ sowie die Artikel Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall): Erholungszeit mit oder ohne Operation und TIA und leichter Schlaganfall: ein Warnsignal.

Typische Symptome nach ischämischem Schlaganfall

  • Schwäche einer Körperseite (Hemiparese) oder Lähmung (Hemiplegie)
  • Sprachstörungen (Aphasie) oder verwaschene Sprache
  • Schluckstörungen
  • Gesichtsfeldausfall, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
  • Veränderungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Stimmung

Das Bild hängt davon ab, welche Arterie betroffen ist. Schlaganfälle im Versorgungsgebiet der mittleren Hirnarterie betreffen z. B. vor allem Gesicht und Arm und links die Sprache.

Rehabilitation nach ischämischem Schlaganfall

Sobald der Patient stabil ist, plant ein interdisziplinäres Team die Rehabilitation [4]. Sie umfasst in der Regel Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und die Behandlung von Komplikationen wie Spastik und Schulterschmerzen. Intensives, aufgabenspezifisches Üben ist der Kern der motorischen Erholung.

Einem zweiten Schlaganfall vorbeugen

Die Sekundärprävention gehört zur Behandlung: Blutdruckeinstellung, Thrombozytenhemmer oder Antikoagulanzien nach ärztlicher Verordnung, cholesterinsenkende Therapie, Diabeteseinstellung, Rauchstopp und regelmäßige Bewegung [1].

Der typische Erholungsverlauf

Die Erholung nach einem ischämischen Schlaganfall (verursacht durch ein verschlossenes Gefäß) folgt meist einem erkennbaren Muster, auch wenn jeder Patient anders ist. In den ersten Tagen geht die Schwellung um das geschädigte Areal zurück, und manche Funktionen können rasch zurückkehren. Die folgenden Wochen und Monate sind eine Phase erhöhter Neuroplastizität (Fähigkeit des Gehirns, sich neu zu organisieren und neue Verbindungen zu bilden), in der gezielte Therapie am meisten bewirkt. Danach verlangsamt sich die Besserung, doch Üben kann auch in der chronischen Phase (mehr als sechs Monate nach dem Schlaganfall) noch Fortschritte bringen. Die Erholung verläuft selten geradlinig: Gute und langsamere Wochen wechseln sich oft ab.

Wie die Erholung beurteilt wird

Die PRM-Ärztin oder der PRM-Arzt und das Team untersuchen Bewegung, Muskeltonus, Gefühl, Gleichgewicht, Gehen, Handfunktion, Schlucken, Sprache, Denken und Stimmung. Die Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT) zeigt Ort und Größe des geschädigten Areals; das hilft bei der Planung, sagt aber allein das Ergebnis nicht voraus. Wiederholte Messungen mit standardisierten Skalen zeigen, ob das Programm wirkt und wann Ziele angepasst werden müssen.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Die Rehabilitation verbindet wiederholtes, aufgabenorientiertes Üben mit Kraft-, Ausdauer- und Gleichgewichtstraining; Ergotherapie für Alltagsaktivitäten; Sprach-, Schluck- und kognitive Therapie; sowie die Behandlung von Komplikationen wie Spastik (Muskelsteifigkeit), Schulterschmerzen oder gedrückter Stimmung. Bei ausgewählten Patienten können unterstützende Verfahren wie Elektrostimulation oder robotergestütztes Training die aktive Therapie ergänzen. Die Sekundärprävention, also die Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker und Herzrhythmus zusammen mit den von den behandelnden Ärzten verordneten Medikamenten, wird lebenslang fortgeführt.

Was Angehörige tun können

  • Den Patienten beim häuslichen Übungsprogramm unterstützen und ein einfaches Fortschrittstagebuch führen
  • Auf die verordnete Medikamenteneinnahme und das Einhalten von Terminen achten
  • Gesunde Ernährung, Rauchverzicht und regelmäßige Bewegung fördern
  • Die Warnzeichen eines neuen Schlaganfalls kennen

Wann Sie Ihre Fachärztin oder Ihren Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin aufsuchen sollten

Nach der akuten Krankenhausbehandlung wird der gesamte Rehabilitationsprozess am besten von einer Ärztin oder einem Arzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin (PRM) geleitet und begleitet. Auch zu Hause lohnt sich die Beratung durch eine PRM-Fachärztin oder einen PRM-Facharzt, die den Patienten untersuchen, Ziele festlegen und Therapie sowie unterstützende Behandlungen gemeinsam mit der Physiotherapeutin oder dem Physiotherapeuten und dem gesamten Team steuern. Bitten Sie um eine erneute Beurteilung, wenn:

  • sich die Funktion verschlechtert statt verbessert oder die Fortschritte seit mehreren Wochen stagnieren
  • neue Schmerzen, Steifigkeit, Schwellungen oder Stürze auftreten
  • sich Stimmung, Schlaf, Schlucken oder Blasenkontrolle verändern
  • Sie sich fragen, ob eine robotergestützte oder andere fortgeschrittene Therapie infrage kommt

Ob robotergestützte oder andere fortgeschrittene Therapien geeignet sind, entscheidet eine auf Neurorehabilitation ausgerichtete PRM-Fachärztin bzw. ein entsprechender PRM-Facharzt. Prof. Dr. Engin Çakar arbeitet in diesem Bereich und kann online oder persönlich konsultiert werden; andernfalls wenden Sie sich an eine PRM-Fachärztin oder einen PRM-Facharzt in Ihrer Nähe.

Rufen Sie sofort den Notruf bei plötzlich neuer Schwäche, hängendem Mundwinkel, Sprechstörung, sehr starken Kopfschmerzen oder Bewusstlosigkeit: Dies können Zeichen eines neuen Schlaganfalls sein.

Häufige Fragen

Ist ein ischämischer Schlaganfall weniger schwer als ein hämorrhagischer? Der Schweregrad hängt von Größe und Lage des betroffenen Areals ab, nicht nur von der Art. Beide reichen von leicht bis schwer.

Wie lange dauert die Erholung? Die meisten Verbesserungen treten in den ersten drei bis sechs Monaten auf, Fortschritte sind mit fortgesetzter Therapie aber auch danach möglich.

Kann sich ein Patient erholen, der keine Notfallbehandlung erhalten hat? Ja. Rehabilitation bleibt für alle Patienten der wichtigste Weg, Funktionen zurückzugewinnen.

Ist Training nach einem ischämischen Schlaganfall sicher? Ja, wenn Art und Steigerung des Trainings an Herz- und Blutdruckzustand angepasst sind. Ihre Fachärztin oder Ihr Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin und die Physiotherapeutin bzw. der Physiotherapeut planen Art und Intensität.

Braucht der Patient dauerhaft eine Gehhilfe? Nicht unbedingt. Hilfsmittel dienen während der Erholung oft der Sicherheit und werden überprüft, wenn sich Gleichgewicht und Kraft verändern.

Beurteilung und Kontakt

Sie können einen Termin oder eine Zweitmeinung zu vorhandenen Befunden und Bildern anfragen: Kontakt & Zweitmeinung (WhatsApp). Diese Seite enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Diagnose und Therapieentscheidungen erfolgen individuell nach einer Untersuchung.

Quellen

  1. Powers WJ, et al. Guidelines for the Early Management of Patients With Acute Ischemic Stroke: 2019 Update to the 2018 Guidelines for the Early Management of Acute Ischemic Stroke: A Guideline for Healthcare Professionals From the American Heart Association/American Stroke Association. Stroke. 2019. PMID: 31662037
  2. Emberson J, et al. Effect of treatment delay, age, and stroke severity on the effects of intravenous thrombolysis with alteplase for acute ischaemic stroke: a meta-analysis of individual patient data from randomised trials. Lancet. 2014. PMID: 25106063
  3. Goyal M, et al. Endovascular thrombectomy after large-vessel ischaemic stroke: a meta-analysis of individual patient data from five randomised trials. Lancet. 2016. PMID: 26898852
  4. Winstein CJ, et al. Guidelines for Adult Stroke Rehabilitation and Recovery: A Guideline for Healthcare Professionals From the American Heart Association/American Stroke Association. Stroke. 2016. PMID: 27145936