NeuroRecovery & Schmerztherapie

PRP-Therapie (plättchenreiches Plasma): Was die Evidenz zeigt

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Engin Çakar, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Algologie (Schmerzmedizin) und Elektrodiagnostische Neurologie · Aktualisiert am

Plättchenreiches Plasma (PRP) wird aus dem eigenen Blut des Patienten hergestellt: Das Blut wird zentrifugiert, um die Blutplättchen mit ihren Wachstumsfaktoren anzureichern, und dann in ein Gelenk, eine Sehne oder einen Muskel injiziert.

Wo wird PRP eingesetzt?

  • Kniearthrose
  • Sehnenprobleme wie der Tennisellenbogen
  • Manche Muskel- und Bandverletzungen

Weiterlesen: der Ratgeber „Kniearthrose“ sowie die Artikel Hyaluronsäure-Injektionen bei Kniearthrose und Kniearthrose ohne Operation behandeln.

Was zeigt die Evidenz?

  • Bei Kniearthrose berichten einige Metaanalysen bessere Schmerz- und Funktionswerte als mit Hyaluronsäure [1], die Studien unterscheiden sich jedoch stark in Herstellungsmethode und Qualität
  • Für Weichteilverletzungen fand ein Cochrane-Review keine ausreichende Evidenz für PRP [2]
  • Eine amerikanische orthopädische Technologiebewertung stellte fest, dass die Evidenz begrenzt und heterogen ist [3]
  • Die Leitlinie des American College of Rheumatology rät von PRP bei Knie- und Hüftarthrose ab

PRP-Präparate sind nicht standardisiert, was den Vergleich von Studien erschwert.

Für wen kommt es infrage?

PRP ist keine Erstlinienbehandlung. Es kann bei ausgewählten Patienten nach den Erstlinienbehandlungen besprochen werden, mit klarer Information über unsicheren Nutzen und Kosten.

Wie PRP wirken soll

Blutplättchen setzen Wachstumsfaktoren und andere Signalstoffe frei, die an Heilung und Entzündung beteiligt sind. Die Idee hinter PRP ist, dass eine konzentrierte Dosis dieser Stoffe in einem geschädigten Gewebe Schmerz und Entzündung beeinflussen oder die Reparatur unterstützen könnte. Wie stark dies in der Praxis geschieht und bei welchen Erkrankungen, wird noch erforscht.

Warum sich Studien unterscheiden

  • Aufbereitung: Anzahl der Blutplättchen, Anteil weißer Blutkörperchen und Herstellungsverfahren unterscheiden sich zwischen den Systemen
  • Protokoll: Anzahl der Injektionen, Abstände und Volumen unterscheiden sich zwischen Studien
  • Patientinnen und Patienten: der Schweregrad der Arthrose oder Sehnenerkrankung ist unterschiedlich
  • Vergleich: manche Studien vergleichen PRP mit Kochsalzlösung (Placebo), andere mit Hyaluronsäure oder Kortison, was die Schlussfolgerungen beeinflusst

Wegen dieser Unterschiede lassen sich Ergebnisse einer Studie nicht einfach auf jedes PRP-Präparat oder jede Person übertragen.

Der Ablauf

Eine Blutprobe wird aus dem Arm entnommen und in einer Zentrifuge (einem Gerät, das die Probe schleudert, um ihre Bestandteile zu trennen) aufbereitet. Der plättchenreiche Anteil wird unter sterilen Bedingungen, manchmal mit Ultraschallkontrolle, in den Zielbereich injiziert. Manche entzündungshemmenden Medikamente können nach ärztlicher Rücksprache rund um den Eingriff pausiert werden. Nach der Injektion sind vorübergehende Schmerzen und Steifigkeit für einige Tage häufig, und eine schrittweise Rückkehr zur Aktivität wird empfohlen.

Wann PRP nicht infrage kommt

PRP wird in der Regel vermieden bei aktiver Infektion an oder nahe der Injektionsstelle, bestimmten Blut- und Blutplättchenerkrankungen, aktiver Krebserkrankung und einigen anderen Erkrankungen. Blutverdünnende Medikamente und eine Schwangerschaft müssen vorher besprochen werden.

Einordnung in die Gesamtbehandlung

Bei Arthrose und Sehnenproblemen bilden Training, Belastungssteuerung, gegebenenfalls Gewichtsmanagement und Aufklärung die Grundlage. PRP ist, wenn überhaupt erwogen, eine Ergänzung zu einem aktiven Rehabilitationsprogramm, das von Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin und der Physiotherapeutin oder dem Physiotherapeuten geplant wird, kein Ersatz. Ein Ergebnis kann nicht garantiert werden, und die Datenlage ist uneinheitlich.

Warnzeichen nach der Injektion

Lassen Sie sich rasch untersuchen, wenn der behandelte Bereich zunehmend heiß, rot, geschwollen und schmerzhaft wird oder Sie Fieber bekommen, denn eine Infektion ist zwar selten, muss aber dringend behandelt werden.

Wann Sie Ihre Fachärztin oder Ihren Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin aufsuchen sollten

Lassen Sie sich untersuchen, wenn die Schmerzen stark sind, zunehmen, Sie nachts wecken oder sich nicht innerhalb weniger Wochen zu bessern beginnen; wenn Taubheit, Schwäche oder ein Warnzeichen auftritt; oder wenn Sie unsicher sind, was Ihre Befunde bedeuten. Ihre Fachärztin oder Ihr Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin (PRM), ausgebildet in der Diagnose und nicht-operativen Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparats und der Nerven, untersucht Sie, erklärt die Befunde und plant die Behandlung gemeinsam mit der Physiotherapeutin oder dem Physiotherapeuten. Ob Injektionen oder andere weiterführende Behandlungen für Sie geeignet sind, entscheidet eine PRM-Fachärztin oder ein PRM-Facharzt nach der Untersuchung. Prof. Dr. Engin Çakar ist in diesem Fachgebiet tätig und kann online oder persönlich konsultiert werden; andernfalls wenden Sie sich bitte an eine PRM-Fachärztin oder einen PRM-Facharzt in Ihrer Nähe.

Damit Sie den Termin optimal nutzen, ist es hilfreich, Folgendes mitzubringen:

  • Einen kurzen zeitlichen Verlauf Ihrer Beschwerden und was sie bessert oder verschlechtert
  • Eine Liste Ihrer Medikamente und anderer Erkrankungen
  • Frühere Bildgebung (die Bilder selbst, nicht nur die Befundberichte), Testergebnisse und Behandlungsberichte
  • Ihre Fragen und Ziele, etwa die Rückkehr zur Arbeit, zum Sport oder zu einer bestimmten Aktivität

Häufige Fragen

Ist PRP sicher? Da es aus dem eigenen Blut stammt, sind schwere Reaktionen selten; vorübergehende Schmerzen sind häufig.

Regeneriert PRP Knorpel? Dafür gibt es keine verlässliche Evidenz. Siehe Zellbasierte Kniebehandlungen.

Wie viele Injektionen sind nötig? Es gibt keinen anerkannten Standard; die Protokolle reichen von einer bis zu mehreren Injektionen, was ein Grund dafür ist, dass Ergebnisse schwer vergleichbar sind.

Wer entscheidet, ob PRP für mich geeignet ist? Über die Eignung entscheidet eine Fachärztin oder ein Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin nach der Untersuchung, unter Berücksichtigung Ihrer Diagnose, früherer Behandlungen und der unsicheren Datenlage.

Beurteilung und Kontakt

Sie können einen Termin oder eine Zweitmeinung zu vorhandenen Befunden und Bildern anfragen: Kontakt & Zweitmeinung (WhatsApp). Diese Seite enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Diagnose und Therapieentscheidungen erfolgen individuell nach einer Untersuchung.

Quellen

  1. Belk JW, et al. Platelet-Rich Plasma Versus Hyaluronic Acid for Knee Osteoarthritis: A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Am J Sports Med. 2021. PMID: 32302218
  2. Moraes VY, et al. Platelet-rich therapies for musculoskeletal soft tissue injuries. Cochrane Database Syst Rev. 2014. PMID: 24782334
  3. Dubin J, et al. American Academy of Orthopaedic Surgeons Technology Overview Summary: Platelet-Rich Plasma (PRP) for Knee Osteoarthritis. J Am Acad Orthop Surg. 2024. PMID: 38295392