Neurorehabilitation & Schmerz

Patientenratgeber Schmerzen des Bewegungsapparats

Lendenwirbel-Bandscheibenvorfall: Zusammenfassung vom Facharzt

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Engin Çakar, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin · Aktualisiert am

Ein Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule entsteht, wenn der innere Teil einer Bandscheibe vortritt und auf Nervenwurzeln drückt; dies kann Schmerzen, Taubheit oder Schwäche im unteren Rücken und im Bein verursachen. Bei vielen Patienten lassen die Beschwerden mit konservativer Behandlung innerhalb weniger Wochen nach. Behandlungsentscheidungen hängen stärker von der Untersuchung, dem Ausmaß der Nervenbeteiligung und dem Verlauf der Beschwerden ab als vom MRT-Bild.

Wann zum Arzt?

  • Schmerzen, die 2–3 Wochen anhalten oder zunehmen
  • Zeitnah, wenn Schmerzen, Taubheit oder Kribbeln ins Bein ausstrahlen
  • Notfall (Warnzeichen): Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle, Taubheit im Gesäß- und Genitalbereich (Cauda-equina-Syndrom), rasch zunehmende Beinschwäche oder Fußheberschwäche
  • Rückenschmerzen, die mit Fieber, ungeklärtem Gewichtsverlust, einer Krebsvorgeschichte oder nach einem erheblichen Trauma beginnen

Behandlungsmöglichkeiten

  • Konservativ: kurze Schonung bei möglichst viel Aktivität, Patientenaufklärung, geeignete Schmerzmedikation
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin: individuelles Übungsprogramm, manuelle Therapie und bei Bedarf physikalische Maßnahmen
  • Interventionelle Schmerztherapie: Eingriffe wie bildgesteuerte epidurale Injektionen bei ausgewählten Patienten
  • Operation: bei fortschreitender Schwäche, Cauda-equina-Syndrom oder Schmerzen, die den Alltag trotz ausreichender konservativer Behandlung erheblich einschränken

Operation oder nicht? Ist die Entscheidung unklar, helfen eine neurologische Untersuchung, der Abgleich von MRT-Befund und Beschwerden sowie bei Bedarf ein EMG (Elektromyografie) zur objektiven Beurteilung der Nervenwurzelbeteiligung. Ziel ist es, Patienten, die von einer Operation profitieren können, von denen zu unterscheiden, die konservativ behandelt werden können; die Entscheidung wird gemeinsam mit dem Patienten und in Zusammenarbeit mit der Neurochirurgie getroffen.

Häufige Fragen

Muss jeder Bandscheibenvorfall operiert werden? Nein. Eine Operation wird in bestimmten Situationen erwogen; viele Patienten werden ohne Operation behandelt.

Ist ein im MRT sichtbarer Vorfall die Ursache der Schmerzen? Nicht immer; Bandscheibenveränderungen finden sich auch bei Menschen ohne Schmerzen. Befunde werden zusammen mit der Untersuchung bewertet.

Darf ich mit einem Bandscheibenvorfall trainieren? Geeignete Übungen werden den meisten Patienten empfohlen; das Programm sollte von Arzt und Physiotherapeut festgelegt werden.

Was zeigt das EMG? Ob eine Nervenwurzel betroffen ist und in welchem Ausmaß.

Quellen

Türkische Version: doktorfizik.com/rehber/bel-fitigi/