NeuroRecovery & Schmerztherapie

Was kann sich in den Monaten und Jahren nach einem Schlaganfall noch verändern?

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Engin Çakar, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Algologie (Schmerzmedizin) und Elektrodiagnostische Neurologie · Aktualisiert am

Viele hören, dass „die meiste Erholung in den ersten Monaten“ nach einem Schlaganfall stattfindet. Das stimmt teilweise: Die Fähigkeit des Gehirns, sich neu zu organisieren (Neuroplastizität), ist meist anfangs am größten. Es bedeutet aber nicht, dass sich später nichts mehr verändern kann.

Was die Forschung zur späteren Phase zeigt

Studien mit Menschen in der chronischen Phase, Monate oder Jahre nach einem Schlaganfall, zeigen, dass sich manche Funktionen durch gezieltes, intensives Üben noch verändern können:

  • Arm und Hand: In einem intensiven Neurorehabilitationsprogramm für die obere Extremität (90 Stunden in drei Wochen) bei Menschen im Median 18 Monate nach dem Schlaganfall lagen die medianen Werte für Beeinträchtigung und Aktivität des Arms sechs Monate nach dem Programm höher als bei der Aufnahme [1].
  • Sprechen und Sprache: In einer randomisierten Studie verbesserten drei Wochen intensive Sprachtherapie die verbale Kommunikation bei Menschen bis 70 Jahre mit chronischer Aphasie nach Schlaganfall [2].
  • Gesamtversorgung: Die Leitlinie der American Heart Association/American Stroke Association beschreibt eine umfassende Neurorehabilitation mit ausreichenden Ressourcen, Dosis und Dauer als wesentlichen Teil der Schlaganfallversorgung [3].

Was das in der Praxis bedeutet

Veränderungen in der späteren Phase verlaufen meist langsamer und hängen vom konkreten Problem, seinem Schweregrad, dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem möglichen Umfang gezielten Übens ab. Häufig neu beurteilt werden Gehen und Gleichgewicht, Arm- und Handgebrauch, Spastik und Schmerzen, Sprechen und Schlucken, Aufmerksamkeit und Gedächtnis, Stimmung, Erschöpfung und Selbstständigkeit im Alltag.

Ein sinnvoller erster Schritt ist eine ausführliche Untersuchung mit realistischen, messbaren Zielen. Das Programm kann klassische Physiotherapie und Neurorehabilitation mit technologiegestützten Methoden wie robotergestützter Physiotherapie verbinden und wird in Abständen überprüft.

Häufige Fragen

Ist es Jahre nach einem Schlaganfall zu spät für Neurorehabilitation? Nicht unbedingt. Die Forschung zeigt, dass sich manche Funktionen in der chronischen Phase mit intensiver, gezielter Therapie noch verändern können; jede Situation ist jedoch anders und erfordert eine individuelle Untersuchung.

Bleiben Verbesserungen bestehen? In dem oben beschriebenen Programm wurden die Werte sechs Monate nach der Behandlung erneut gemessen [1]. Um Fortschritte zu erhalten, ist meist weiteres Üben zu Hause nötig.

Siehe auch: Ratgeber Schlaganfall · Gehen nach Schlaganfall

Bitte beachten: Die Ergebnisse der Neurorehabilitation sind von Mensch zu Mensch verschieden. Was im Einzelfall möglich ist, hängt vom jeweiligen Zustand ab, und jeder Plan erfordert eine individuelle ärztliche Untersuchung.

Untersuchung und Kontakt

Diese Seite bietet allgemeine Gesundheitsinformationen und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an.

Quellen

  1. Ward NS, et al. Intensive upper limb neurorehabilitation in chronic stroke: outcomes from the Queen Square programme. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2019. PMID: 30770457
  2. Breitenstein C, et al. Intensive speech and language therapy in patients with chronic aphasia after stroke: a randomised, open-label, blinded-endpoint, controlled trial in a health-care setting. Lancet. 2017. PMID: 28256356
  3. Winstein CJ, et al. Guidelines for Adult Stroke Rehabilitation and Recovery: A Guideline for Healthcare Professionals From the American Heart Association/American Stroke Association. Stroke. 2016. PMID: 27145936